ARA Oberes Rheintal: Zuerst geht es um den Zweckverband

30. Oktober 2026
Die Gemeinden Altstätten, Oberriet, Rüthi und Sennwald wollen ihre Abwasserreinigung künftig gemeinsam betreiben. Am Mittwochabend wurde das Generationenprojekt mit geschätzten Kosten von 162,5 Millionen Franken vorgestellt. Zunächst geht es jedoch um die Gründung eines Zweckverbands.

Altstätten. - Die vier bestehenden Abwasserreinigungsanlagen (ARA) in Altstätten, Oberriet, Rüthi und Sennwald stehen vor grossen Herausforderungen. Steigende Anforderungen an den Gewässerschutz, anstehende Sanierungen und notwendige Kapazitätserweiterungen erfordern umfangreiche Investitionen. Statt die Anlagen einzeln auszubauen, setzen die Verantwortlichen auf eine gemeinsame Lösung. Diese wurde am Mittwochabend an einer Informationsveranstaltung in Altstätten vorgestellt.

Gemeinsam in die Zukunft investieren
Altstättens Stadtrat Andreas Broger, Leiter der Lenkungsgruppe, erläuterte die Beweggründe für den Zusammenschluss. Bereits 2021 hatten die vier Gemeinden beschlossen, eine gemeinsame Abwasserreinigung zu prüfen. Verschiedene Untersuchungen zeigten, dass eine zentrale Anlage in Altstätten die wirtschaftlichste Lösung darstellt. «Mit dem Zusammenschluss schaffen wir die Voraussetzungen für eine langfristig leistungsfähige, wirtschaftliche und zukunftsgerichtete Abwasserreinigung», betonte Andreas Broger. Gemäss den bisherigen Berechnungen fallen die jährlichen Kosten bei einer gemeinsamen Lösung je nach Gemeinde um 14 bis 26 Prozent tiefer aus als bei einem Alleingang. Weitere Vorteile ergeben sich im Betrieb. Stellvertretungen, Pikettdienste und die Nachfolgeplanung lassen sich mit einem grösseren Team besser organisieren. Gerade bei einer Infrastruktur, die rund um die Uhr funktionieren muss, ist dies von Bedeutung.

Generationenprojekt für 162,5 Millionen Franken
Die neue Gemeinschaftsanlage soll auf einer unbebauten Fläche unmittelbar neben der bestehenden ARA Altstätten entstehen. Alain Meyer von der Hunziker Betatech AG stellte das technische Konzept vor. Die Anlage soll für rund 62'000 Einwohnerwerte ausgelegt werden und modernste Anforderungen an die Abwasserreinigung erfüllen. «Mit einer neuen Anlage können wir moderne Reinigungsverfahren einsetzen und gleichzeitig die Betriebssicherheit langfristig gewährleisten», erklärte Alain Meyer. Die Kläranlagen in Oberriet, Rüthi und Sennwald sollen künftig als Pumpwerke dienen. Über neue Druckleitungen wird das Abwasser nach Altstätten transportiert. David Sieber vom Ingenieurbüro Kuster + Hager stellte die bisherigen Überlegungen zum Leitungsnetz vor. «Wir haben mögliche Leitungsverläufe untersucht. Wo die Leitungen später genau zu liegen kommen, muss aber erst in der weiteren Projektierung geklärt werden», erläuterte David Sieber. Die Gesamtkosten werden auf 162,5 Millionen Franken geschätzt. Davon entfallen 109,7 Millionen auf die neue ARA, 14,7 Millionen auf die Pumpwerke und 38,1 Millionen auf die Leitungen. Die Kostengenauigkeit beträgt derzeit plus/minus 20 Prozent. Die Beträge verstehen sich ohne Mehrwertsteuer und vor Abzug der vorgesehenen Bundesbeiträge. Im optimalen Fall könnten die Arbeiten bis 2039 abgeschlossen sein. Der Zeitplan gilt allerdings als ambitioniert.

Finanzierung über Gebühren, nicht über Steuern
Die Investitionen werden vollständig über Abwassergebühren finanziert. Auswirkungen auf die Gemeindesteuern wird der Ersatzbau der ARA keine haben. Gemäss den Verantwortlichen wird die gemeinsame Lösung für die Gebührenzahlenden günstiger ausfallen als der separate Ausbau aller vier Anlagen. Konkrete Gebühren lassen sich derzeit jedoch noch nicht beziffern. In der anschliessenden Diskussion unter der Leitung von Moderator Ralph Dietsche wurden auch kritische Fragen gestellt. Unter anderem wollten Besucher wissen, weshalb die neue ARA auf einer grünen Wiese entstehen soll. Die Fachplaner verwiesen auf Vorteile beim Bauablauf, weniger notwendige Provisorien und Entwicklungsmöglichkeiten. Weitere Fragen betrafen den Bau einer zweiten Leitung, die genaue Linienführung und eine mögliche Einleitung des gereinigten Abwassers in den Rhein. Gemäss aktuellem Konzept ist die Einleitung in den Rheintaler Binnenkanal vorgesehen. Die genaue Linienführung wird erst in der nächsten Projektphase festgelegt. Auch die Zusammensetzung des Zweckverbands gab zu reden. Auf die Frage, weshalb Eichberg nicht dazugehört, erklärte Andreas Broger, dass sich die vier heutigen ARA-Standortgemeinden für die Gründung entschieden hätten. Für Eichberg und weitere Gemeinden, die ihr Abwasser bereits nach Altstätten liefern, ändere sich nichts. Man stehe jedoch im Austausch. Eine Vertretung in den Verbandsorganen sei zu einem späteren Zeitpunkt durchaus diskutierbar. Der Oberrieter Gemeindepräsident Rolf Huber bestätigte zudem auf Nachfrage, dass die Rechnung des künftigen Zweckverbands wie gesetzlich vorgesehen veröffentlicht werde. In welcher Form, sei noch offen.

Erst der Zweckverband, dann die Detailplanung
Eine zentrale Botschaft des Abends lautete: Bei den bevorstehenden Entscheiden geht es noch nicht um einen Baukredit von 162,5 Millionen Franken. Zunächst müssen die vier Gemeinden die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen für das gemeinsame Vorgehen schaffen. In Altstätten entscheidet die Bevölkerung am 25. November 2026 über den Beitritt zum Zweckverband. In Oberriet, Rüthi und Sennwald sind die Entscheide im Frühling 2027 vorgesehen. Erst danach kann die weitere Projektierung auf gemeinsamer Grundlage vorangetrieben werden. Über einen Projektkredit soll im Herbst 2027 separat abgestimmt werden. Die Verantwortlichen haben damit eine klare Vision. Ein baureifes Projekt liegt allerdings noch nicht vor. Zahlreiche technische und organisatorische Details müssen erst ausgearbeitet werden.

Weitere Informationsveranstaltungen zur Gründung des Zweckverbands ARA Oberes Rheintal finden am 15. Februar 2027 in Sennwald, am 25. Februar in Oberriet und am 24. März in Rüthi statt.